• Bunker 36 #07 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Dieses Mal geht es in den Untergrund! Wir haben ein Relikt aus dem Kalten Krieg gefunden: Einen geheimen Atomschutzbunker! Wie ein interaktives Museum erlaubt diese vergessene Struktur einen unverfälschten Blick in die Zeit des Kalten Krieges, als die Menschheit mit der Möglichkeit der Auslöschung durch einen Atomkrieg konfrontiert war. Für ein möglichst immersives Erlebnis haben wir diese Anlage nicht nur erkundet, sondern wir haben dort auch übernachtet.


    Bunker 36 #04 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Dies ist einer von mehr als 30 Fernmeldebunkern in Westdeutschland. Zusammen bildeten sie ein Netzwerk und das Rückgrat der militärischen Telekommunikation an der vordersten Front des Kalten Krieges. Diese teuren und technisch hochgerüsteten Anlagen wurden gebaut, um sicherzustellen, dass die NATO-Truppen auch nach einem Atomschlag noch kommunizieren können. Im Falle eines heißen Krieges hätte das Personal einen Monat lang im Untergrund bleiben können.


    Bunker 36 #01 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Um den Bunker zu einem absolut sicheren Atombunker zu machen, sind die Außen- und Innenwände mehrere Meter dick. Das würde den fortwährenden Betrieb im Falle eines atomaren Angriffs garantieren. Die Anlage stammt aus den 1960er Jahren, als die Berliner Mauer gebaut wurde und der Vietnamkrieg eskalierte - der Kalte Krieg hatte zu diesem Zeitpunkt ein kritisches Stadium erreicht. Als die deutschen Streitkräfte die unterirdische Anlage errichteten, ahnte die Bevölkerung der umliegenden Dörfer, dass hier etwas nicht stimmte - doch es wurde Stillschweigen angeordnet.


    Bunker 36 #02 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Obwohl der Kalte Krieg schon längst vorbei war, wurde dieser Fernmeldebunker erst Ende der 90er Jahre stillgelegt - erst nachdem die letzten Truppen der einstigen sowjetischen Besatzungsmacht aus dem Land abgezogen waren. Da es nichts mehr zu verstecken gab, kam der ehemalige Feind zu Besuch: Ex-DDR-Soldaten aus Ostdeutschland, und sie brachten sogar Gastgeschenke mit! Die ehemaligen West- und Ostkämpfer waren nun alle in der Bundeswehr vereint. Der Bunker hatte also keinen Zweck mehr und wurde in der Folge aufgegeben - allerdings nicht, bevor Teile des Bunkers entkernt wurden. Zum Glück gibt es noch viele Räume, die ziemlich unberührt zu sein scheinen.


    Bunker 36 #08 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Für Zivilisten ist diese Anlage praktisch verborgen. Es handelt sich um einen verlassenen NATO-Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges. Solche Strukturen sind wahrscheinlich über die ganze Welt verteilt und warten nur darauf, im Falle einer großen Krise wieder aktiviert zu werden. Leider ist die atomare Bedrohung auch heute noch real. Als der Kalte Krieg endete, wurde die Bedrohung zwar verdrängt, aber nie ganz beseitigt. Genau wie dieser Bunker existiert sie immer noch, auch wenn sie versteckt und vergessen ist - eine gefährliche Kombination.


    Bunker 36 #06 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde das Gelände - einschließlich des Bunkers - an eine Privatperson verkauft. Anfang 2021 musste er eingreifen und das unterirdische Bauwerk versiegeln, weil es überflutet wurde. Es scheint, als hätte einer der vielen Besucher nach uns die Pumpen (aus Versehen?) ausgeschaltet, die eigentlich das Grundwasser fernhalten sollten. Nachdem dies dem Besitzer gemeldet wurde, schaltete er die Pumpen wieder ein und versiegelte den Bunker. Es gibt keine Möglichkeit mehr, ihn zu betreten. Heute ist ungewiss, ob der Besitzer den Bunker irgendwann für die Öffentlichkeit öffnen wird. Im Moment sieht es nicht danach aus.


    Bunker 36 #03 by Broken Window Theory, auf Flickr


    Wenn du eine Tour durch diesen vergessenen Atombunker haben willst, kannst du dir einfach unsere Erkundung auf YouTube ansehen:


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  • hui, welch Zeitreise... in grauer Vorzeit saß ich mal während meiner Wehrdienstzeit an so einer ähnlichen Telefonvermittlung. Kleiner, und vor allem nicht in einem Atombunker. Aber die Technik war identisch.


    @ Fritz:

    sind Warnämter nicht dem Zivilschutz zugeordnet? Die Beschreibung von BrokenWindowTheory lässt eher auf eine militärische Zuordnung schließen.

  • Die Warnämter sollten halt bei einem Atomangriff die Bevölkerung warnen, hatten meines Wissens z. B. direkten Zugriff auf die Sirenen und auf Rundfunk/Fernsehen/Presse. Die Belegschaft lebte aber in den atombombensicheren Bunkern tief in der Erde, waren für mehrere Wochen autark. Diese Bunker dienten also nur dem Schutz der Mitarbeiter nicht dem der Zivilbevölkerung, die hatte keinen Zutritt. Für mich als Laie also ähnlich aufgebaut wie ein militärischer Befehlsstand.


    Gruß


    Fritz