
Lost Places in Bosnien und Herzegowina erzählen von den tiefgreifenden Veränderungen des Landes. Verlassene Hotels, außergewöhnliche Bauwerke und ehemalige Sportstätten erinnern an die Zeit Jugoslawiens, die Olympischen Winterspiele und den späteren gesellschaftlichen Umbruch.
In meinen Fotografien dokumentiere ich diese Orte so, wie ich sie während meiner Reisen vorgefunden habe. Dabei geht es nicht nur um den sichtbaren Verfall, sondern auch um die Architektur, Geschichte und Spuren der Menschen, die mit diesen Gebäuden verbunden waren.
Während der Zeit des sozialistischen Jugoslawiens entstanden in Bosnien und Herzegowina zahlreiche Gebäude mit einer eigenständigen und teilweise experimentellen Architektur. Hotels, Motels, Sportanlagen und öffentliche Einrichtungen sollten Fortschritt und Modernität ausstrahlen.
Die Gründe für ihren späteren Leerstand sind unterschiedlich. Wirtschaftliche Veränderungen, gescheiterte Privatisierungen, fehlende Investitionen und Kriegsschäden haben zahlreiche Gebäude geprägt. Deshalb lässt sich nicht jeder verlassene Ort auf dieselbe Geschichte reduzieren.
Zu den bekanntesten verlassenen Bauwerken des Landes gehört die Olympische Bob- und Rodelbahn auf dem Trebević. Sie wurde für die Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajevo errichtet und entwickelte sich später zu einem Symbol für die wechselvolle Geschichte der Stadt.
Während der Belagerung Sarajevos wurde die Anlage beschädigt und militärisch genutzt. Heute ist die ehemalige Bahn keine vollständig vergessene Ruine mehr. Sie ist ein historischer Erinnerungsort und wird von Spaziergängern, Radfahrern und Besuchern des Berges genutzt. Die Betonstrecke trägt dennoch bis heute deutlich sichtbare Spuren ihrer Vergangenheit.
Auch ehemalige Hotels und Motels gehören zu meinen fotografischen Entdeckungen in Bosnien und Herzegowina. Das Crazy Motel fällt besonders durch seine ungewöhnliche, modernistische Architektur auf.
Das Hotel SJTJ steht ebenfalls für eine Epoche, in der große Beherbergungsbetriebe und repräsentative Gebäude das Bild vieler Reiseziele prägten. Nach dem Ende ihrer ursprünglichen Nutzung blieben zahlreiche dieser Anlagen ohne tragfähige Zukunft zurück.
Nicht jeder Lost Place ist ein monumentales Bauwerk. Verlassene Geschäfte und kleinere Gewerbegebäude zeigen, wie stark sich das alltägliche Leben verändert hat. Der Supermarket Posnik ist ein Beispiel für einen solchen Ort.
Gerade diese unscheinbaren Gebäude machen sichtbar, dass Leerstand nicht ausschließlich große historische Ereignisse betrifft. Er entsteht ebenso durch wirtschaftlichen Wandel, veränderte Lebensbedingungen und das Verschwinden lokaler Strukturen.
Viele verlassene Orte in Bosnien und Herzegowina stehen in Verbindung mit Krieg, Flucht und persönlichen Verlusten. Deshalb betrachte ich sie nicht ausschließlich als spektakuläre Fotomotive. Meine Bilder sollen den heutigen Zustand dokumentieren, ohne das Leid hinter den Ruinen zu romantisieren.
Lost Places sind historische Zeugnisse. Ihre beschädigten Fassaden, verlassenen Räume und zurückgelassenen Gegenstände erzählen von politischen Umbrüchen, wirtschaftlichen Veränderungen und individuellen Schicksalen.
Verlassene Gebäude können einsturzgefährdet sein und sich auf privatem oder bewachtem Gelände befinden. In einigen Regionen können außerdem noch Gefahren durch nicht geräumte Minen und andere Kriegsreste bestehen. Absperrungen, Eigentumsrechte und örtliche Warnhinweise müssen deshalb unbedingt respektiert werden.
Auf dieser Seite findest du meine fotografischen Dokumentationen aus Bosnien und Herzegowina. Die Portfolios werden ergänzt, sobald weitere Orte aus meinem Archiv veröffentlicht werden.